Stile und Richtungen der DDR Mode
Vollkommen eigene Designs hatte die DDR Mode nicht zu bieten. Die Wünsche der breiten Bevölkerung nach schöner Kleidung wurden mit Ideen aus dem Westen befriedigt. Große Modeschauen und Magazine boten der Modeindustrie des sozialistischen Staats wichtige Inspirationsquellen. Aktuelle Trends aus den Industrieländern wurden auf Funktionalität und ideologische Brauchbarkeit überprüft und entsprechend dieser Kriterien optimiert, bevor sie auf die Stange kamen. Der spezifische Stil der Ostmode offenbarte sich nicht nur in den abgespeckten Designs, sondern vor allem auch in den zur Herstellung genutzten Materialien.
Besonders der Stoff "Präsent 20" sollte als eher zweifelhafte Bekleidungsform in die Modegeschichte der DDR eingehen. Die neue Mode im Großrundstrickverfahren war das Geschenk des Staats an seine Bevölkerung. Die gerade 20 Jahre alt gewordene DDR wollte mit dieser Entwicklung 1969/70 sich selbst und ein neues modisches Lebensgefühl feiern. Unabhängigkeit und wirtschaftliche Eigenständigkeit sollten die neuen Textilprodukte wie nie zuvor verkörpern. Der Bevölkerung stank das gewaltig. Denn "Präsent 20" entwickelte schnell zu viel Wärme und förderte so unangenehmen Körpergeruch, es lud sich ständig elektrisch auf und blieb so überall am Körper kleben.
Ob in Sachen Jugendmode, Materialien oder stimmige Designs: das Modeinstitut der DDR Regierung schaffte es nicht, die Stilvorstellungen der Bevölkerung zu befriedigen. Mit Schnittmustern und Ideen konnten zwar auch Modezeitschriften wie die "Sibylle" punkten, aber andere waren noch eigenwilliger und stilsicherer: mit Nähmaschinen und jeder Menge Kreativität bewaffnet, machten Designer aus dem Untergund die Not zur Tugend. Alles was nicht niet- und nagelfest war, wurde zu stoffähnlichem Material verarbeitet, der Individualität wurden mit eigenen Labels wie "chic, charmant und dauerhaft" keine Grenzen gesetzt.