Geschichte der DDR Mode
Ein eigenes Institut für Bekleidungsindustrie hatte die DDR bereits 1952. Trotzdem galt Mode aus Ostdeutschland lange Zeit als fad, einfallslos und uninteressant. Modebewusste DDR Bürger mussten entweder selbst zur Nähmaschine greifen oder begehrte Westmode in den Osten schmuggeln lassen.
Auch die Modeindustrie unterstand in der DDR der Planwirtschaft, musste ideologischen Kriterien gehorchen, durfte sich weder nach Form, Farbe oder Material frei entwickeln. Stoffentwicklungen wie "Präsent 20" 1969/70 sollten die Bevölkerung besänftigen, schufen aber nur mehr Frust für Modehungrige. Dokumentiert wurde die modische Entwicklung des sozialistischen Staats in verschiedenen Zeitschriften und Magazinen. Allen voran stand die "Sibylle", die dem Mangel an tragbarer Stangenmode zwar nicht abhelfen konnte, aber unzählige Frauen mit Schnittmustern zu modischer Bekleidung aus Eigenarbeit inspirierte.
Mode war in der DDR zu jeder Zeit immer auch ein politisches Statement. Wer allzu rebellisch gekleidet war, fiel negativ auf. Allerdings musste der Staat den Menschen auch entgegenkommen, um Unzufriedenheit und somit Unruhen vorzubeugen. Es ist sicher kein Zufall, dass die erste Kollektion für Jugendmode Ende der 60er Jahre erschien. In einer Zeit politischen Aufbegehrens Jugendlicher in aller Welt lockerte die DDR mit der Aktion "Jugendmode 68" die Zügel wenigstens ein bißchen, sorgte mit jugendlichen Schnitten und mehr Farbe für mehr Individualität und ein eigenes Beweusstsein der jüngeren Bevölkerungsschicht.
Mit spezieller Luxusmode versuchte der Staat seit 1970, wohlständigere Menschen zu erreichen. "Exquisit" hieß die Marke, die sich durch gute Qualität, modische Designs und vor allem teure Preise auszeichnete. Da die Staatsbemühungen in Sachen Mode die Bevölkerung nur selten befriedigen konnten, entstand eine eigene und innovative Modeszene im Untergrund, die durch Innovation, Individualität und Ideenreichtum glänzte. Hier verfolgten modebegeisterte Individualisten ihre Vision und ignorierten Staatsvorgaben radikal. Viele Untergrunddesigner fassten nach dem Untergang der DDR in der internationalen Modewelt Fuß.